Spieltechnik

Das Didgeridoo wird mit „flatternden“ Lippen sanft angeblasen. Die Lippenkontrolle ist für die Kraft und Dynamik des Grundtones entscheidend, weniger die Luftmenge oder Anblasstärke.

Klangveränderungen entstehen durch:

  • sprachähnliche Artikulationen (Verschlusslaute wie d, t, k, g und andere, Zungenroller wie r und vokalartige Töne wie a, e, i, o, u…)
  • Verengungen des Mundraumes (Zunge, Wangen, Unterkiefer), (lautmalerisch in etwa beschreibbar als „wok“ oder „wik“, und andere)
  • Veränderung des Anblasdruckes in Verbindung mit instrumenteneigenen Resonanzen (Erhöhung/Erniedrigung des Grundtones, Trompetentöne, resonierende Zungenschläge)
  • Einsatz der Stimme (als lauter Schrei oder als sanfte Stimme zur Erzeugung einer „Schwebung“, eines rauen Tones)
  • Bewegung des Kehlkopfes (auf- und abwippen)

Das Didgeridoo wird traditionell meistens sitzend oder hockend gespielt, wobei das Ende am Boden aufliegt. Oft klopft der Bläser mit den Fingern oder mit einem Klangstab (Clapstick oder „bilma“) rhythmische Figuren dazu. Obwohl durch die Kombinationen aus Stimme und Obertönen bewusst melodische Elemente eingesetzt werden, ist das Didgeridoo in erster Linie ein Rhythmusinstrument.

In den moderneren, westlichen Interpretationen wird das Instrument oft in Form von langgezogenen, meditativen Phrasierungen eingesetzt, auch haben sich im Zusammenhang mit der westlichen Musikkultur eine Vielzahl von Klangtechniken eingebürgert, die die Verwendung in modernen Musikrichtungen erlaubt. So wird das Didgeridoo beispielsweise als Borduninstrument eingesetzt, über dessen Bordunton andere Instrumente Melodien legen.
Ebenfalls in der modernen westlichen Musikkultur gibt es ein didgeridooähnliches Instrument, das aus zwei teilweise ineinander geschobenen, gegeneinander beweglichen Röhren besteht, wodurch die Tonhöhe beim Spiel stufenlos verändert werden kann. Gespielt wird dieses Instrument ansonsten wie ein Didgeridoo, wobei das untere Ende des Instruments allerdings nicht fest aufgelegt werden darf, um die Beweglichkeit zu erhalten. Die Erfindung dieses Slide-Didgeridoo oder Didjeribone genannten Instruments wird Charlie McMahon zugeschrieben.

Durch die Technik der Zirkularatmung (auch Kreisatmung oder Permanentatmung) können die Klangelemente ohne Atempause nahtlos aneinander gefügt werden. Bei der Zirkularatmung wird die Luft aus dem Mundraum herausgedrückt, während durch die Nase eingeatmet wird und ermöglich somit einen kontinuierlichen Luftstrom.

Bei dieser Technik speichert der Blasende einen Luftvorrat im Mundraum und trennt diesen daraufhin mit hinterer Zunge und Gaumensegel vom Rachen-Raum. Nun kann er durch die Nase neue Luft in die Lunge einatmen, während die gespeicherte Luft zur Aufrechterhaltung des Luftstroms durch die umgebende Muskulatur (Kiefer, Wangen, Zunge) durch die Lippen aus dem Mund herausgedrückt wird. Sobald der Einatmungsvorgang abgeschlossen ist, kann wieder ganz normal ausgeatmet/geblasen werden, ohne neu anzublasen, und der Vorgang wiederholt sich.

Die Zirkularatmung wird bei Blasinstrumenten (z. B. bei Rohrblattinstrumenten und dem Didgeridoo) eingesetzt, sowie in bestimmten Handwerksberufen, in denen ein kontinuierlicher Luftstrom für Schmelzvorgänge nötig ist (Goldschmiede, Glasbläser).
Vielfach wird die Zirkularatmung mit dem Phänomen der Hyperventilation in Verbindung gebracht. Dabei wird durch schnelles, zu heftiges Atmen zu viel Kohlendioxid abgeatmet und dem Spieler wird schwindelig. Dieser Effekt wird von manchen Trancepraktiken in Kauf genommen oder sogar gefördert, ist jedoch bei Instrumenten mit potenziell gutmütigem Gegendruckverhalten eher ein Anzeichen von mangelnder Kontrolle über die Atmung und der nötigen Bewegungsabläufe.

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